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Der Schlossgarten mit seinen Gebäuden und Gartenbereichen

1)   Hauptallee
2)   Südlicher Lustgarten
3)   Brücke und große Allee
4)   Weinberg
5)   Orangenhaus im Herzogin Garten
6)   Lusthaus (I) im Herzogin Garten
7)   Goldfischteich im Herzogin Garten
8)   Herzogin Garten
9)   Hofgärtnerhaus
10) Torhaus
11) Kämmereigebäude
12) Prinzengarten
13) Fohlenstall
14) Marstall
15) Türkenteich
16) Fischerhaus und Grotte
17) Küchengarten
18) Jägerhaus
19) Eiskeller mit Pavillon
20) Münze
21) Waschhaus
22) Lusthaus der Herzogin (II)
23) Reithaus
24) Schlossteich und Berge
25) Garten östlich des Schlossteiches
26) Schießhaus
27) Garten am Schießhaus
28) Hauptorangerie
29) Gewächshaus an der Stadtmauer
30) Aloe-Turm
31) Nördlicher Lustgarten
32) Schlossgraben
33) Vorburg
34) Amalienberg


Auszüge aus dem Buch:
"Schloss Zerbst in Anhalt"
  Schlossgarten 1798 Hauptallee Südlicher Lustgarten Brücke und große Allee Weinberg Orangenhaus im Herzogin Garten Lusthaus (I) im Herzogin Garten Goldfischteich im Herzogin Garten Herzogin Garten Hofgärtnerhaus Torhaus Kämmereigebäude Prinzengarten Fohlenstall Marstall Türkenteich Fischerhaus und Grotte Küchengarten Jägerhaus Eiskeller mit Pavillon Münze Waschhaus Lusthaus der Herzogin (II) Reithaus Schlossteich und Berge Garten östlich des Schlossteiches Schießhaus Garten am Schießhaus Hauptorangerie Gewächshaus an der Stadtmauer Aloe-Turm Nördlicher Lustgarten Schlossgraben Vorburg Amalienberg Schlossgarten im Jahr 1798

Hauptallee

  • Im Jahr 1747 entstand die neue große Hauptallee, die von der Fürstlichen Freiheit, an der Residenz vorbei, bis zum Westausgang des Schlossgartens führte.
  • Tagelöhner planierten den Weg und huben seitlich Gräben für Lindenbäume aus.
  • Im Jahr 1748 mussten eingegangene Exemplare gegen neue große Linden ausgetauscht werden.
  Hauptallee
Hauptallee (Foto 2004)

Südlicher Lustgarten

  • Der große Garten existierte schon in der Renaissancezeit.
  • Der Lustgarten wurde mit dem Neubau des Schlosshaupttraktes dem Zeitgeschmack angepasst. Die Bepflanzung bestand unter anderem aus Rosen und Nelken.
  • Im Zeitraum 1695/96 erfolgte die Pflanzung von Rüstern und Hagenbuchstämmen, die eine Hecke bildeten, sowie Lindenbäumen.
  • Die kontinuierliche Pflege und teilweise Neugestaltung lag in den Händen des aus Dresden stammenden Hofgärtners Johann Gottfried Unger.
  • Im Mittelpunkt des quadratischen Gartens lag ein großes Wasserbecken, auf das acht Wege sternförmig zuliefen. An den Ecken befanden sich vier kleine, aus Holz gefertigte Lusthäuser.
  • In den Jahren 1747/48, parallel zur Anlage der großen Hauptallee, erfolgte die komplette Neugestaltung des Lustgartens.
  • Der alte, unsymmetrisch zum Schlosskomplex gelegene Garten wurde vollständig gerodet.
  • Es erfolgte die Pflanzung von Bosketts. Geschnittene Hecken aus zahlreichen Hainbuchen und Spalierobstbäume bildeten grüne Wände und somit einzelne Gartenräume.
  Südlicher Lustgarten 1714 Südlicher Lustgarten (Stich 1714)

Brücke und große Allee

  • Im Jahr 1747 wurde eine neue große Allee südlich der Residenz angelegt. Sie durchquerte den Lustgarten und lief direkt auf den Schlossturm zu.
  • Eine doppelte Reihe aus Obstbäumen (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume) säumte die Allee.
  • Die Allee mündete nach etwa 600 Metern in die Akensche Straße (heute Kreuzung zwischen Jeverschen Straße und Kastanienallee).
  • Parallel entstand ab Oktober 1747 eine neue breite Steinbrücke, die die so genannte Freinuthe überspannte.
  • Im März 1798 befahl Fürst Franz von Anhalt-Dessau die Umgestaltung des Schlossgartens in einen englischen Landschaftspark nach dem Vorbild des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches.
  • Nicht mehr benötigte Postamente von Statuen und Einfassungen von Brunnen fanden beim Neubau von Brücken Verwendung. Diesem Zweck dienten auch die Steine der abgetragenen breiten Brücke, über die einst die große Südallee führte.
  ehemalige Brücke ehemaliger Brückenstandort (Foto 1932)

Weinberg

  • Im Jahr 1734 wurden 47 Spalierfelder für Weinreben an der Stadtmauer im Bereich des "Kiekinpott" angebracht.
  • Der Hofzimmermeister Gleichner schuf diese und 48 weitere Spaliere, die an der Böschung zwischen Mauer und so genannter Freinuthe Aufstellung fanden.
  Weinberg Weinberg am "Kiekinpott" (Foto um 1900)

Orangenhaus im Herzogin Garten

  • Das neue Orangenhaus im Herzogin Garten entstand ab August 1736. Für den Bau waren Hofmaurer Erler und Hofzimmermann Gleichner zuständig.
  • Im Jahr 1737 deckte der Schieferdecker John das Dach, der Steinmetz Schreiber schuf die Giebel über den beiden Eingängen.
  • Gardinen vor den großen Glasfenstern der Gartenfassade dienten dem Schutz der empfindlichen Pflanzen.
  • Das rechteckige Orangenhaus besaß die Maße von etwa 17 Metern x 7 Metern.
  • Die Kübelpflanzen, die darin überwinterten, wurden im Sommer vor dem Lusthaus, um das Wasserbecken und im vorgelagerten Lustgarten aufgestellt.
  • Zu den Pflanzenbeständen des Jahres 1743 gehörten Orangenbäume, Lorbeerbäume, Myrtenbäume, Zypressen, Passionsblumen und Rosmarinstauden.
  • Im Jahr 1873 erfolgte der Abbruch des Orangenhauses, die alten Granatbäume mit einem stattlichen Alter von ca. 150 Jahren kamen nach Dessau und Oranienbaum.
  Standort Orangenhaus
ehemaliger Standort des
Orangenhauses (Foto 2004)

Lusthaus (I) im Herzogin Garten

  • Am 28. Oktober 1722 erfolgte die Grundsteinlegung zum neuen Lusthaus der Fürstin Hedwig Friederike im so genannten Herzogin Garten.
  • Die Entwürfe für das Gebäude lieferte der Hofbaumeister Johann Christoph Schütze, der auch die Bauleitung inne hatte.
  • Parallel schuf er als begabter Bildhauer auch die beiden Sandsteinportale, Putten für das Hauptgesims und mehrere Kapitelle.
  • Im November 1724 begann Abondio Minetti die Stuckierung des Mittelsaales. Die beiden Kabinette, die sich rechts und links davon erstreckten, gestaltete er in Zusammenarbeit mit Schütze.
  • Vor verspiegelten Wänden kamen zahlreiche Fayencen aus der Zerbster Manufaktur zur Aufstellung.
  • Das Lusthaus mit einem ovalen, aus der Fassade hervortretenden Mitteltrakt und zwei seitlichen, geraden Flügeln besaß eine Gesamtlänge von etwa 22 Metern und war 1726/27 vollendet.
  • Mit dem Abbruch des Gewächshauses 1873 fiel auch das Lusthaus der Herzogin.
  Lusthaus (I) Lusthaus, Rekonstruktion von Dirk Herrmann
Grundriss Lusthaus Orangenhaus (l), Lusthaus (r), Goldfischteich (m) und Hofgärtnerhaus (o)

Goldfischteich im Herzogin Garten

  • Vor dem Lusthaus und dem Orangenhaus im Herzogin Garten erstreckte sich ein lang gestrecktes Wasserbecken.
  • Das Becken wurde 1725 mit Wasserspielen versehen. Die Mechanik dazu lieferte der Glockengießer Peter Becker aus Halle.
  • In den 1730er Jahren erhielt die Teichsohle einen Belag aus Ton, um das Aufwirbeln von Schlamm durch die Wasserspiele zu verhindern.
  • Im Jahr 1939 wurde der Goldfischteich verfüllt.
  Goldfischteich Goldfischteich (Foto um 1900)

Herzogin Garten

  • Parallel zum Lusthaus entstand vor dessen Hauptfront ein neuer Garten in symmetrischen Formen mit Sandsteinputten.
  • Im Jahr 1726 beschaffte der Hofbaumeister Schütze 60 große und 1.000 kleine gläserne Laternen für diesen Garten.
  • Der weiteren Gestaltung des Gartens der Fürstin Hedwig Friederike dienten 1728/29 insgesamt 480 Weißbuchenstämme. Gleichzeitig entstand eine Mauer um diesen Garten.
  • 1731/32 pflanzten die Gärtner Taxuspyramiden, die aus Hamburg kamen. Außerdem wurden Tulpenzwiebeln, Anemonen und Echte Rapunzeln gesetzt.
  • An der Gartenmauer wurden 1734/35 Holzgitterwände zum Heranziehen von Spalierobst befestigt.
  • Für die vier Torpfeiler des Gartens schuf der Bildhauer Trebeßky 1738/39 vier Frucht- und Blumenkörbe aus Sandstein.
  • 1744/45 entstand im Herzogin Garten ein neues sechseckiges Vogelhaus aus Holz und Draht.
  • Mit der Beseitigung von Lusthaus und Orangenhaus verschwand auch der Garten.
  Lage Herzogin Garten Herzogin Garten zwischen Lusthaus und
Hofgärtnerhaus (Plan um 1810)

Hofgärtnerhaus

  • Das Hofgärtnerhaus an der Käsperstraße, am Rand des Gartens der Fürstin Hedwig Friederike, entstand im Zeitraum 1705/06.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Hofbaumeister Giovanni Simonetti die Pläne für dieses Gebäude geliefert hat.
  Hofgärtnerhaus Hofgärtnerhaus, Hauptfassade (Foto 2004)

Torhaus

  • Ein Torhaus überspannte den Hauptweg an seinem westlichen Ende. Das Haus war bewohnt, außerdem war dort auch eine Wache postiert.
  • Eine unmittelbar daran anschließende große Brücke überspannte einen breiten, von Deichen eingefassten Kanal.
  • Der heute noch vorhandene Kopfsteinpflasterweg führte weiter und endete an der Käsperstraße, der so genannten Finkenpforte.
  • Das Torhaus wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen.
  Torhaus Brücke und Torhaus (Stich 1714)

Kämmereigebäude

  • Die Arbeiten an der ersten Orangerie im Zerbster Schlossgarten, zu dem der Hofbaumeister Giovanni Simonetti die Entwürfe lieferte, begannen 1704.
  • 1705 war das Fachwerkhaus im Rohbau vollendet, ein Jahr später erhielt es Putz und Anstrich.
  • Mitte 1709 war die Orangerie vollendet und wurde mit exotischen Pflanzen bestückt.
  • Das lang gestreckte Haus auf rechteckigem Grundriss hatte die Ausmaße von 38 Metern x 12 Metern.
  • Die großen Glasfenster befanden sich an der Rückfront, d. h. an der Südseite.
  • Der Mittelsaal besaß eine herrliche Stuckdecke. Er bot gute Bedingungen zur Überwinterung exotischer Gewächse und bildete im Sommer ein glänzendes Ambiente für festliche Veranstaltungen und Theateraufführungen.
  • Die östlichen Räume dienten dem Hofgärtner Johann Gottfried Unger als Wohnung.
  • Die Orangerie büßte 1754 ihre Hauptfunktion ein und diente nur noch gelegentlich als Festraum.
  • Im Jahr 1848 wurde in der ehemaligen Orangerie eine Wollkämmerei eingerichtet; seitdem trug das Haus den Namen "Kämmereigebäude".
  • Das Haus überstand den schweren Bombenangriff. Trotzdem wurde im September 1947 vom Rat der Stadt Zerbst der Abbruch beschlossen.
  • Die Kellergewölbe blieben bis 1961 erhalten und dienten zum Zerbster Heimatfest als Weinkeller und Ausschank.
  Kämmereigebäude Hauptfassade (Zeichnung 1912/13)
Kämmereigebäude Kämmerei (r) am Hauptweg (Foto um 1930)

Prinzengarten

  • Der mit Bäumen bepflanzte Gartenbereich hinter der Orangerie ("Kämmereigebäude") in Form eines Dreieckes grenzte unmittelbar an den großen Lustgarten und nahm den ursprünglichen Grundriss des abgebrochenen Wirtschaftshofes auf.
  • Der Garten entstand im Zusammenhang mit dem Orangeriebau und trug später die Bezeichnung "Prinzengarten".
  Prinzengarten
Prinzengarten (Stich 1714)

Fohlenstall

  • 1746/47 wurde ein neuer Fohlenstall im rechten Winkel zur ersten Orangerie gebaut.
  • Der Zimmermann Großkopf errichtete das schlichte Fachwerkgebäude.
  • Maurer waren für die Fundamente, die Ausmauerung der Gefache und die Verputzung des Hauses zuständig.
  Standort Fohlenstall Standort Fohlenstall (Foto 2004)

Marstall

  • Im Sommer 1707 begann der Bau eines Gebäudekomplexes westlich des Schlosses mit Remise, Pferdeställen und Unterkünften für die Dienerschaft.
  • Die Pläne zum Marstall, der 1713 seiner Fertigstellung entgegen ging, stammten vom Hofbaumeister Simonetti.
  • Im Zentrum des symmetrischen Gebäudekomplexes lag das Haus für das Gesinde. Ein eingeschossiger Stallbereich, der Kutschstall, von acht Fensterachsen schloss sich südlich davon an. Die unmittelbar angrenzende Remise besaß drei große zweiflügelige Rundbogentore. Die nördliche Gebäudehälfte, der Reitstall, war analog aufgebaut.
  • Um 1877 wurde der nördliche Teil des Marstalls abgetragen.
  • Die verbliebenen Gebäudeteile überstanden die Wirren des Zweiten Weltkriegs.
  • Der Verfall des südlichen Stallgebäudes begann nach der gezielten Entnahme der Dachziegel und Dachsparren im Sommer 1945.
  • Die Remise am südlichen Ende des Komplexes fiel 1979 der totalen Vernichtung durch Blitzschlag anheim.
  • Das Wohnhaus wurde 1988 für 130.000 Mark für das Kreiskulturhaus aufwendig rekonstruiert und gänzlich umgebaut, jedoch keiner neuen Nutzung zugeführt.
  Marstall Stall und Dienergebäude (Foto 1942)
Marstall Dienerschaftsgebäude (Foto 2009)

Türkenteich

  • Zwischen Küchengarten und "Freinuthe" befand sich der lang gestreckte Türkenteich.
  • Der Wasserstand wurde mit einer Schleuse bzw. einem Wehr reguliert.
  • Die Bezeichnung "Türkenteich" geht auf den Hoffischer Johann Heinrich Türke zurück, der im späten 18. Jahrhundert für den fürstlichen Hof tätig war.
  • Ende 1927 begann die Zuschüttung des Türkenteiches an der Gartenstraße, die im folgenden Frühjahr beendet war.
  Lage Türkenteich Der lang gestreckte Türkenteich (Plan 1798)

Fischerhaus und Grotte

  • Im Zeitraum 1724/25 entstand ein Fischerhaus. Das Aussehen des kleinen Gebäudes ist nicht bekannt.
  • Es befand sich am später als "Türkenteich" bezeichneten kleinen See und wurde 1867 abgerissen.
  • Die heute noch vorhandenen Grotte aus Findlingen entstand erst mit der Umgestaltung des Schlossgartens in einen englischen Landschaftspark 1798/99.
  Grotte Grotte aus Findlingen (Foto 2004)

Küchengarten

  • Nördlich vom Kopfsteinpflasterweg erstreckte sich ein großer Küchengarten mit vier Wasserspeichern.
  • Gemüse und Obst dienten der Versorgung der Schlossbewohner und der Gäste des Hofes.
  • Schon 1684/85 wurde dieser Bereich mit einem Zaun umgeben.
  • Die Anschaffung von Hopfenstangen im Jahr 1687/88 ist eine Beleg dafür, dass auch Hopfen zur Bierherstellung in diesem Garten wuchs.
  Küchengarten Reste des Küchengartens (Foto 2004)

Jägerhaus

  • Das Jägerhaus stand an der Käsperstraße, unmittelbar hinter dem Küchengarten.
  • Das Gebäude wurde 1710/11 erbaut und besaß einen Wasseranschluss und einen Ofen.
  • Nach dem Abbruch des Jägerhauses und dem Verkauf des Grundstücks einschließlich des Küchengartens entstanden in den 1920er Jahren neue Privathäuser.
  Standort des Jägerhauses Standort des Jägerhauses (Foto 2004)

Eiskeller mit Pavillon

  • Im Sommer 1747 entstand ein neuer Eiskeller nördlich des Marstalls, der in den alten Befestigungswall integriert wurde. Diese Standortwahl erfolgte ganz bewusst, bot doch das umgebende Erdreich zusätzliche Isolation und schützte vor einem Temperaturanstieg innerhalb des Kellers.
  • Eine kleine Treppe führte in die etwa sechs Meter hohen Gewölbe hinab.
  • Mehrere gemauerte, im Boden eingelassene Wannen nahmen die Eisblöcke auf.
  • Das im Winter auf dem Schlossteich gebrochene Eis diente in der warmen Jahrezeit zur Kühlung von Getränken sowie Vorräten und Speisen in der Schlossküche. Dabei reichte die eingelagerte Menge genau eine Saison, bis wieder Eis zur Verfügung stand.
  • Oberhalb des Eiskellers entstand ein achteckiger Pavillon.
  • Der Bau ist in den lückenlos erhaltenen Kammerrechnungen nicht nachweisbar, dürfte aber ebenfalls im 18. Jahrhundert entstanden sein.
  Pavillon
Pavillon mit Eiskeller
(Foto 2004)

Münze

  • Als letzter Bau im Schlossgarten entstand ab 1771 ein Münzgebäude in Kombination mit einer so genannten Tabakfabrik, die ein Jahr später hinzukam.
  • Zimmerleute, Maurer und Tagelöhner errichteten das Gebäude parallel zur Gartenstraße, direkt an der "Werdernuthe".
  • Das Haus besaß die Grundmaße von etwa 25 Metern x 9 Metern.
  • Zum Betreiben der Prägemaschine wurde die Wasserkraft des vorbeifließenden Nuthearmes genutzt.
  • Im Jahr 1868 wurde das Münzgebäude an der Gartenstraße abgebrochen.
  Lage der Münze Münze, oben links gelegen (Plan 1798)

Waschhaus

  • Das Wasch- und Schlachthaus lag direkt an der Schlossmühlennuthe.
  • Das im Haus benötigte Wasser wurde nicht aus der Nuthe entnommen, sondern von einer Quelle über so genannte Röhrbäume herangeführt und stand durch eine Handpumpe jederzeit zur Verfügung.
  • Während der Umgestaltung des Schlossgartens zum Landschaftspark wurde das Waschhaus abgetragen.
  Standort des Waschhauses Standort des Waschhauses (Foto 2004)

Lusthaus der Herzogin (II)

  • Im Juli 1727 wurde mit dem Bau eines zweiten Lusthauses für Fürstin Hedwig Friederike begonnen.
  • Die Errichtung des Fachwerkgebäudes lag vorrangig in den Händen des Zimmermeisters Johann Andreas Altenkirch aus Loburg, der Zerbster Zimmermeister Balthasar Großkopf stand ihm zur Seite.
  • Im September 1727 war der Rohbau vollendet.
  • Im August 1728, bei Niedrigwasser im Kanal, entstand der Altan an der Südseite des Lusthauses, der eine Verkleidung aus Sandsteinelementen erhielt.
  • Die Sandsteinarbeiten am Altan und an den beiden Eingängen fanden erst 1732 ihren Abschluss. Der Hofbaumeister Schütze fertigte 1728/29 selbst Bildhauerarbeiten an.
  • Das zweigeschossige Fachwerkgebäude besaß eine Grundfläche von etwa 17 Metern x 7,5 Metern und trug ein Mansarddach.
  • In der unteren Etage befanden sich eine Galerie, mehrere Kammern, ein Holzverschlag und eine Treppe, im Obergeschoss ein Saal, ein Kabinett und eine Toilette.
  • Das zweigeschossige Lusthaus wurde 1798/99 während der Umgestaltung des Schlossgartens zum Landschaftspark abgebrochen.
  Lusthaus der Herzogin Vorgängerbau oder Planung zum Lusthaus der Herzogin (hinten) hinter dem späteren Reithaus (Stich 1714)

Reithaus

  • Der Zerbster Hofbaumeister Johann Christoph Schütze lieferte die Entwürfe zum neuen Reithaus.
  • Im späten Frühjahr 1723 begannen Arbeiter mit der Schaffung der Baufreiheit.
  • Ab April 1724 arbeiteten acht Maurer, zwölf Handlanger und zwei Kalkstößer unter Führung des Hofmaurermeisters Heber am Reithausbau.
  • Nach der Vollendung des Rohbaus 1726 setzten Zimmermeister den großen Dachstuhl auf. Die Dachdeckerarbeiten währten von März bis Mai 1727.
  • Die Wasserspeier in Form von Drachenköpfen als Ablauf für Regenwasser schuf der Hofkupferschmied Warnitz.
  • Die Hoftischlermeister Domack und Mickan stellten Fenster und Fensterläden sowie die großen Portaltüren her.
  • Ab der zweiten Jahreshälfte 1726 erfolgte der innere Ausbau.
  • Paul Anthon Trebeßky und Johann Friedrich Schmidt schufen die prächtigen Stuckaturen an den Wänden, der Decke, in der Kuppel und der Fürstenloge. Die Stuckarbeiten währten von Juli 1728 bis Januar 1732.
  • Dem Baumeister Schütze gelang mit der frei schwebenden Decke und der Empore in der Mitte ein Meisterstück der damaligen Ingenieurkunst.
  Reithaus, heute Stadthalle Südseite der Stadthalle (Foto 2004)

Stuckdecke im Reithaus Stuckfeld über der Fürstenloge (Foto 2001)

Schlossteich und Berge

  • Der ursprüngliche, von Deichen und Wällen umgebene Teich, besaß einst die mehrfache Größe des heute existierenden Schlossteiches.
  • Der große Teich zwischen Schlosskomplex und Breite-Straßen-Tor erhielt ab Juni 1728 eine neue Gestalt: Er wurde tiefer ausgehoben, teilweise verfüllt, in eine annähernd rechteckige Form gebracht und neu befestigt.
  • Der Hofbaumeisters Johann Christoph Schütze lieferte die Pläne dazu.
  • Die Arbeiten führten die Teichgräber Andreas Heinrich und Hans Schiepen mit Unterstützung zahlreicher Handlanger durch.
  • Um den neuen Teich wurde eine Hecke aus Weidenstöcken angelegt.
  • Im Jahr 1783 wurde der Schlossteich auf Anweisung des Hofmarschalls von Stangen zugeworfen und in eine Wiese umgewandelt.
  • Nur einige Jahre später, 1799, wurde der Schlossteich neu angelegt.
  • Parallel ließ Fürst Franz den ehemals durchgängigen Schutzwall an der Stadtmauer durch Abgrabungen unterbrechen und daraus drei einzelne Hügel formen.
  Schlossteich Schlossteich (Foto 2000)
Schlossberge Blick zu den Schlossbergen (Foto 2004)

Garten östlich des Schlossteiches

  • Der Baukondukteur Friedel, der Erbauer des Ostflügels, konzipierte für den Bereich östlich des Schlossteiches einen neuen Garten.
  • Dieser bis dahin ungestaltete Gartenteil in dreieckiger Form erstreckte sich zwischen Teich, Wall und Nuthelauf.
  • An einen geraden Weg am Teichufer schloss sich im Zentrum ein Abschnitt mit vier sternförmig zur Mitte verlaufenden Wegen an.
  • Sämtliche, von kleinen Bäumen gerahmte Flächen waren als "Küchenland" vorgesehen.
  • Die Erschließung und Bepflanzung des Gartens erfolgte 1744/45.
  ehemaliger Garten am Schlossteich
ehem. Garten am Teich (Foto 2004)

Schießhaus

  • Die Errichtung des Schießhauses ging vermutlich auf den Befehl des Fürsten Christian August zurück. Es entstand 1744 direkt am Nuthedurchfluss durch die Stadtmauer hinter der Hauptorangerie.
  • Der Zimmermann Großkopf errichtete das Fachwerkgebäude, die einzelnen Felder vermauerte der Hofmaurer Erler.
  • Das Haus hatte einen annähernd quadratischen Grundriss von etwa 6 Metern x 6 Metern.
  • Die Schießbahn, die sich an das Gebäude anschloss, erstreckte sich direkt zwischen der Stadtmauer und dem alten vorgelagerten Wall. Der Kugelfang befand sich im Bereich des Stadtmauerturmes "Kuchels Warte".
  Standort des Schießhauses Standort des ehemaligen Schießhauses am Nuthedurchfluss d. Stadtmauer (Foto 2004)

Garten am Schießhaus

  • Die Schießbahn erhielt 1749/50 eine gärtnerische Gestaltung.
  • Auf der Seite der alten Wallanlage ("Berge") pflanzten die Gärtner große Nussbäume. Gegenüber, an der Stadtmauer, wurden auf der gesamten Länge Spaliere angebracht und Spalierobstbäume gesetzt.
  • Sehr viele der handgeschmiedeten Eisen mit je zwei Löchern für die Befestigung der Holzspaliere befinden sich noch heute in der Stadtmauer.
  Garten am Schießhaus ehem. Schießbahn mit Garten (Foto 2004)

Hauptorangerie

  • Der Baumeister Schütze entwarf die große Orangerie und zeichnete die nötigen Baupläne.
  • Das Haus musste sich nicht nur zur Überwinterung von Kübel- und Topfpflanzen eignen, sondern auch den Lustgarten stilvoll abschließen.
  • Im Mai 1735 begannen die Arbeiten an der repräsentativen Orangerie nördlich des Schlosses.
  • Die vielen Sandsteindekorationen schufen die Steinmetze Johann Joseph Eyberg, Jacob Heydrich, Franz Christian Schreiber und Franz Zange bis 1739.
  • Im Mai 1738 erhielt der Hoftischlermeister Salomon Mickan den Auftrag, die Türen und großen Fenster der Orangerie anzufertigen.
  • 1740/41 stellte der Steinhauer Eyberg die große Terrasse inklusive der Treppen vor dem gesamten Orangenhaus her.
  • Die beiden Öfen zur Beheizung der Orangerie befanden sich an den Enden der beiden geschwungenen Seitenflügel; sie waren Bestandteil einer Heißluftkanalheizung.
  • Der Stuckateur Trebeßky führte 1740/41 die Stuckaturen im Inneren der Kuppel über dem Mittelsaal aus. Parallel schmückte der Kunstmaler Piere Ranie die Decke mit einem Fresko.
  • Die Arbeiten an der Hauptorangerie endeten im März 1741.
  • Zurückhaltende Eleganz und ausgeglichene Proportionen charakterisierten dieses aus der Menge der barocken Orangerien Deutschlands ganz besonders herausragende Gebäude.
  • Die Orangerie überstand den Bombenangriff relativ gut. Die unverantwortliche Anordnung des Zerbster Stadtbauamtes, sämtliche verbliebenen Dachziegel zu entfernen, bedeutete den Untergang des Hauses.
  • Schließlich kam es im Frühjahr 1948 infolge von Brandstiftung zur fast völligen Zerstörung der Orangerie.
  • Später kam es zum Abbruch der kompletten Südfassade. Die noch gut erhaltenen Schmuckelemente aus Sandstein fielen der Spitzhacke zum Opfer und wurden nicht geborgen.
  Hauptorangerie Südseite der Orangerie (Foto um 1940)
Frontispiz der Hauptorangerie Frontispiz nach Brand 1948 (Foto um 1950)
Reste der Hauptorangerie Reste der Rückwand (Foto 2004)

Gewächshaus an der Stadtmauer

  • Auf Vorschlag des Hofgärtners Unger wurde ein so genanntes Treibehaus unmittelbar an der Stadtmauer errichtet. Für das kleine, schlichte Zweckgebäude kam Material eines abgetragenen Gewächshauses zum Einsatz.
  • Im Juni 1738 wurde ein neues Gewächshaus zur Unterbringung von Kübelpflanzen direkt an der Stadtmauer in Angriff genommen. Zuvor erfolgte der Abbruch des unmittelbar angrenzenden alten "Treibehauses".
  • Für den Neubau wurde die Feldsteinmauer zur Hälfte abgetragen und in Ziegeln neu errichtet.
  • Maurer Erler und Zimmermann Gleichner schufen das zweckorientierte Fachwerkgebäude.
  • Der rechteckige Bau wurde ab Herbst 1739 genutzt und hatte eine Ausdehnung von etwa 30 Metern x 6 Metern.
  • Im Herbst 1739 wurden direkt daneben Weinreben, Aprikosen- und Kirschbäume gepflanzt.
  • Um 1870 wurde das Gewächshaus an der Stadtmauer abgetragen.
  Gewächshaus Standort des Gewächshauses (Foto 2004)

Aloe-Turm

  • Neben zahlreichen exotischen Pflanzen erfreute sich die Zucht von "Aloe americana" sehr großer Beliebtheit (seit 1753, nach der wissenschaftlichen Klassifizierung, ist der botanischer Gattungsname mit Agave americana L. festgelegt).
  • Die Kultur dieser Pflanzen erforderte hohes gärtnerisches Können und viel Geduld.
  • Im Zerbster Schlossgarten entstanden spezielle "Aloe-Türme". Die zum größten Teil aus Glas bestehenden Türme schützen die kostbare Pflanze vor Witterungseinflüssen.
  • Im Zerbster Schlossgarten existierten schon 1728 große Agaven.
  • Im Jahr 1733 wurde ein neuer "Aloe-Turm" vor der Hauptorangerie errichtet.
  • Der achtseitige Turm besaß einen Durchmesser von etwa 10 Metern und eine Höhe von etwa 11 Metern. Über den hohen gläsernen Seitenteilen erhob sich ein Holzdach.
  • Im Inneren des Turmes führte eine Treppe zu einem Umgang in Höhe der Agavenblüte.
  • Vor zu intensiver Sonneneinstrahlung schützen Leinengardinen, bei Kälte stand ein eingebauter Ofen zur Verfügung.
  Aloeturm Modell Aloeturm im Schloss (Foto 2009)

Nördlicher Lustgarten

  • Die Baumeister Cornelis Ryckwaert und Giovanni Simonetti legten den Barockgarten an.
  • Zwei Baumgärten mit je einem aus schmalen Holzlatten zusammengesetzten Lusthaus mit geschwungenem Dach und kleiner Laterne flankierten die Broderieparterren.
  • Im vorderen Halbrund der Orangerie befand sich ein Brunnen mit geschwungenem Beckenrand.
  • Der Bildhauer Lück hatte 1704/05 vier Statuen, die vier Elemente darstellend, für den neuen Lustgarten angefertigt.
  • Der Lustgarten erfuhr 1732 und 1738 eine generelle Erneuerung. Die Broderieparterren wurden neu geformt und mit Buchsbaum bepflanzt. Die neue Hecke, die den Garten flankierte, bestand aus jungen Buchen.
  • Im September 1748 begann erneut die komplette Umgestaltung des Lustgartens. Die sehr pflegeintensiven Broderieparterren verschwanden; an ihre Stelle traten Bosketts. Hainbuchen rahmten einzelne Gartenräume, in denen Obstbäume gepflanzt wurden.
  • Der Garten ging langsam ein und wurde 1798/99 in eine Wiese umgewandelt.
  Nördlicher Lustgarten Lustgarten mit Broderieparterren
und Lusthäusern (Stich 1714)

Schlossgraben

  • Von 1698 bis 1702 ließ Giovanni Simonetti die kanalartige, unbefestigte Wasserfläche nördlich des Schlosses begradigen und einfassen.
  • Vom großen Schlosskonzept des Baumeisters Schützes kam die Bastion an der Nordseite des Corps de logis mit angrenzendem Schlossgraben zur Ausführung.
  • Im Mai 1738 begannen die Gründungsarbeiten zur großen Mauer. Damit die Arbeiten durch den unmittelbar angrenzenden Graben überhaupt vonstatten gehen konnten, waren Wehre aus Holz und Pumpen notwendig.
  • Die komplizierten Arbeiten an der mit Sandsteinplatten verkleideten Mauer mit einer Gesamtlänge von etwa 120 Metern währten bis 1744.
  • Die Mauer wurde 1945 nur leicht beschädigt. Trotzdem wurde sie abgebrochen und der Kanal zugeschüttet.
  Schlossgraben Der Haupttrakt des Schlosses mit
vorgelagertem Graben (Foto um 1910)

Vorburg

  • Der Hauptzugang zum Schlosshof erfolgte über die ehemalige Vorburg.
  • Im großen Vorhof befand sich eine Reitbahn, der alte Burggraben begrenzte ihn in Richtung Schloss.
  • Die aneinander gereihten, teilweise zweigeschossigen Gebäude im Osten des Vorhofes befanden sich unmittelbar am heutigen Wächtergang. Weitere Häuser mit nur einer Etage schlossen sich etwas abgewinkelt im Süden an.
  • Um 1710 befanden sich in der Vorburg nördlich des heutigen Hauptweges die Amtsstube, die Kanzlei mit der Hochfürstlichen Kirchlichen Verwaltungsbehörde, das Archiv sowie Kutschställe, eine Bäckerei, das Brauhaus, die Böttcherei, die Schmiede; südlich davon eine alte Hofstube, die Reiterstube, eine Stallstube und Reitställe.
  • Von 1764/65 erfolgte der Abbruch der alten Wirtschaftsgebäude östlich des Schlosses.
  • Das letzte Gebäude der Vorburg, die Schmiede, wurde um 1877 abgetragen.
  Vorburg
Vorburg (Stich 1714)

Amalienberg

  • Der so genannte Amalienberg entstand erst mit der Umgestaltung des Schlossgartens in einen Landschaftspark. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden großen Steinbänke am Hügel mit Blick auf den Ostflügel des Schlosses.
  • Fürst Franz benannte den Hügel nach seiner Schwiegertochter, der Prinzessin Christiane Amalie (1774-1846), die in der Familie nur Amalie gerufen wurde.
  • Im Wörlitzer Park erinnert noch heute ein von Fürst Franz angelegtes Monument an diese Prinzessin; in der Nähe des Pantheon befindet sich die sogenannte Amalieninsel mit der Amaliengrotte.
  Amalienberg Blick zum Amalienberg (Foto 2004)